Grenzland-Geschichte
Neue Mohr’sche Anlage in Saarbrücken
Dieses kleine Gasthaus dokumentiert mehr als hundert Jahre deutsch-französische Grenzland-Geschichte. Liebevoll gezeigt wird diese im Bistro-Raum im Eingangsbereich. Mit Feld-Postkarten, historischen Fotos und betagten Zeitungs-Seiten. Die meisten Dokumente sind Geschenke von Stammgästen. So werden Erinnerungen an heiße Debatten weitergereicht, wie sie in diesem früheren Schankraum der ehemaligen Saarbrücker Brauerei Mohr häufig geführt wurden. Wie jene zum Beispiel zur Volksabstimmung von 1955. Als die Saar-Frage die Menschen diesseits und jenseits der Grenze bewegte.
Rendez-vous am Tresen
Am imposanten Holz-Tresen in diesem geschichtsträchtigen französisch-rustikalen Gastraum sitzt immer irgendwer. Jeden Sonntagsmorgen zum Beispiel sind es Franzosen. Die nehmen hier gerne ihren Apéritif, einen Pastis oder Petit Rouge. Zum Alltags-Feierabend lassen sich hier Deutsche seit mehr als einem halben Jahrhundert gerne ein frisches Park-Bräu Primus zapfen.
Gutbürgerliche Küche von rechts und links der Grenze
Die besondere Grenz-Situation der Neuen Mohr‘schen Anlage spiegelt sich auch in der Speisekarte wieder. Gutbürgerlich ist die Küche. Ob sie nun französische Froschschenkel, saarländische Hoorische oder Mistkratzerle auf Elsässer Art zubereitet. Auch Neubürger in der bi-nationalen Grenz-Region setzen Akzente im Speise-Angebot. Zum Beispiel die Algerier mit ihrem Couscous. Im gemütlichen Restaurant-Zimmer (sechs weiß-grau eingedeckte Doppel-Bistrotische mit weinroten Stoff-Servietten) werden den Gästen auch aktuelle Küchen-Trends angeboten. Frische Fleisch-Scheiben, auf dem heißen Stein am Tisch selbst zu grillen. Zu besonderen Anlässen werden Fondues, klassisch oder à la chinoise angeboten.
Curry-Wurst im Biergarten
Zur „Mohrschen“, wie das Gasthaus kurz und liebevoll vom Volksmund genannt wird, gehört auch ein lauschiger Biergarten. Vier alte Kastanienbäume spenden Schatten. Der überdachte Außengrill ist bei Festen und Veranstaltungen in Betrieb. Mit seiner allzeit verfügbaren und geschätzten Curry-Wurst hat er den Platz der einstigen Mohr‘schen Rostwurstbude vor dem Haus übernommen.
Nicht nur die Boule-Kugel rollt
Lange Zeit war die Boule-Anlage hinter dem Haus unter einer Grasnarbe verschwunden. Jetzt sollen die beiden Bahnen restauriert und wieder in Betrieb genommen werden. Doch die Kugel rollt nicht nur dort, sondern mit immer wieder neuen, stark regional bezogenen, bürgernahen Events durch die gesamte vielfältige Neue Mohr’sche Anlage. Da gibt es Vernissagen saarländischer und lothringischer Maler im Restaurant. Dort lassen sich auch „Freunde“-Köche von rechts und links der Grenze in ihre Kochtöpfe schauen. Und in der aus einer alten Garage im weitläufigen Gastgarten neu erblühten Halle tanzt man zur Musette-Walzer-Musik oder lässt es bei wichtigen Fußball-Ereignissen ruhig mal richtig krachen.